2014-03-11

Warum funktioniert der AAL-Markt (noch) nicht?

Eine kurze Diskussion über die Sinnhaftigkeit einer Smartphone-App, mit der man seine Koffein-Aufnahme messen kann, um dann ein Gefühl dafür zu bekommen, wie dies den nächtlichen Schlaf beeinflusst, hat mir noch einmal die Bedeutung des Begriffes Nachfrage vor Augen geführt.

Wesentlich für die Nachfrage sind Bedürfnis und Bedarf.

Bedürfnis: Gefühlter Mangel und Wunsch nach Beseitigung
Bedarf: Nachfrage am Markt

Warum funktioniert der AAL-Markt nicht?
AAL meint Ambient Assisted Living (auf Deutsch "Altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben")

Dieser Begriff ist für den Laien nichts sagend und baut durch seinen Bezug auf Technik eine wesentliche Hürde (insbesondere bei älteren Mensen) auf.
Gerade Technik gilt als komplex und kompliziert, fehleranfällig, sozial "kalt" etc. und assoziiert damit Attribute, die als besonders negativ gelten! [1]
AAL-Systeme werden also nicht als potentielle Lösungen zur Befriedigung der Bedürfnisse wahrgenommen - maximal als Lösungen für spätere, technik-affinere Generationen. [2]

Weitere Gründe [3]:

  • Assistenzsysteme steigern die Qualität eines Basissystem, stellen selbst aber häufig kein Basissystem dar
  • Stigmatisierung führt dazu, dass der Erwerb so lange heraus gezögert wird, bis ein Unterstützungssystem unabdingbar ist, dann ist die Lern- und Finanzierungsbereitschaft allerdings gering -> Lifestyle-Faktoren sind also unbedingt zu berücksichtigen!

Ein neuer Begriff für AAL, Systemintegratoren, die die umfangreichen Erkenntnisse aus der Forschung, bzw. die daraus resultierenden Lösungen, in der Praxis implementieren und die Überwindung technischer und organisatorischer Interoperabilitäten können Ziele sein, um die Nachfrage am Markt für technische, alltagsunterstützende Systeme zu steigern.



[1] BMBF/VDE, Ambient Assisted Living - Ein Markt der Zukunft, S.21. VDE Verlag 2012
[2] Meyer, Mollenkopf, AAL in einer alternden Gesellschaft, VDE Verlag 2010
[3] vgl. BMBF/VDE, Ambient Assisted Living - Ein Markt der Zukunft, VDE Verlag 2012

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